16. Juli 2009

David Gilmour: „Chicago“ gegen Schikane von Staatsbürgern

David Gilmour hat den Rockklassiker „Chicago“ von Crosby, Stills, Nash & Young neu aufgenommen, um damit auf den prekären Fall von Gary McKinnon aufmerksam zu machen, dem wegen eines Hacker-Delikts die Auslieferung an die USA droht.
Unter der Mitwirkung von Chrissie Hynde, Bob Geldof und Gary McKinnon selbst wird die von Chris Thomas produzierte Coverversion als kostenfreier Download ab dem 20. Juli über die Webseite der britischen Zeitung The Daily Mail angeboten, allerdings verbunden mit der Aufforderung, eine Spende – gleich welcher Höhe – zu leisten, um damit Gary McKinnon zu unterstützen. Mit dem Einverständnis des Songkomponisten Graham Nash hat Janis Sharp, Garys Mutter, für den Song einen neuen Text geschrieben, der sich unmissverständlich an den US-Präsidenten Barack Obama wendet, damit er sich der Sache ihres Sohnes persönlich annimmt.

Gary McKinnon ist britischer Staatbürger, passionierter Ufologe und leidet unter dem Asperger Syndrom, einer Form von Autismus. Vor sieben Jahren drang er auf der Suche nach Existenzbeweisen von UFOs mit seinem Computer in das Sicherheitssystem des US-Militärs ein. In den USA ist er nun wegen des „größten Hacker-Angriffs auf das US-Militär aller Zeiten“ angeklagt. Nach einem unter dem ehemaligen Innenminister David Blankett geschlossenen Vertrag zwischen Großbritannien und den USA, der die Auslieferung von britischen Staatsbürgern erlaubt, ohne dass der Fall zuvor vor britischen Gerichten verhandelt wurde, droht ihm nun die Abschiebung in die USA.

Seit Jahren kämpfen nicht nur Anwälte vor britischen Gerichten für das Recht von Gary McKinnon. Auch The Daily Mail hat sich in dieser Zeit vehement für McKinnon eingesetzt. Erst kürzlich hat die Zeitung seinem Fall eine komplette Titelseite samt einer vierseitigen Reportage gewidmet. David Gilmour wendet sich mit seinem Statement nun an den amtierenden Innenminister Alan Johnson, den Fall zu überdenken: „Der Versuch, Gary McKinnon wegen eines naiven Hacker-Delikts an die USA auszuliefern, war schon immer eine unverhältnismäßige Reaktion und die falsche Anwendung eines Abkommens, das zudem erst in Kraft gesetzt wurde, nachdem dieses angebliche Verbrechen begangen wurde.“

Chrissie Hynde ergänzt: „Gary McKinnon ist alles andere als ein Terrorist. Die USA laufen Gefahr, diesen Vertrag mit der Wucht eines Vorschlaghammers durchzusetzen und ihn wie eine Nuss zu zermalmen. US-Amerikaner erlauben es nicht, dass ihre Landsleute im Ausland vor Gericht gestellt werden, deswegen sollte man auch Gary die Freiheit lassen, sich der Sache im eigenen Land zu stellen.“ Prof. Simon Baron-Cohen, einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet des Autismus, hat bestätigt, dass McKinnon keinerlei „Tendenz zum Terrorismus“ aufweist und betont, dass er „keine Gefahr für die Gesellschaft“ darstelle.

Auch die jüngste Anhörung vor britischen Gerichten hat zu keiner Entscheidung geführt. Bis dahin können noch drei Monate vergehen. Eine Zeit, in der auch David Gilmours „Chicago“ Wirkung in der Öffentlichkeit zeigen soll. Alle freiwilligen Spenden werden an den Fund weitergeleitet, den die National Autistic Society für Gary McKinnon eingerichtet hat. Letztendlich geht es nicht nur um diesen sehr individuellen Fall, sondern auch um die Freiheit und Selbstbestimmung von Staatsbürgern, gleich welcher Nationalität.

http://www.davidgilmour.com