04. Dezember 2008
Von Jaroussky bis Scholl: ALTUS präsentiert das WHO'S WHO der Countertenöre

Die vokalen Künste der Kastraten waren legendär, und wenn man heute noch erahnen kann, wie die Musik von Händel, Vivaldi und anderen Meistern des 17./18. Jahrhunderts aus ihrem Munde klang, dann liegt das an den Countertenören.
Hatte man Kastraten durch eine grausame Operation in Kinderjahren in ein Schicksal gezwungen, so entwickeln seit Beginn des Barock-Booms vor etwa dreißig Jahren talentierte Sänger systematisch ihre Kopfstimme — und werden Countertenöre. Die 3-CD-Box ALTUS präsentiert die besten von ihnen, von Philippe Jaroussky bis Andreas Scholl. Als Bonus-Track ist die einzige erhaltene Aufnahme eines echten Kastraten dabei: Alessandro Moreschis Rossini-Gesang aus dem Jahre 1902.
Die Compilation ALTUS spannt einen Bogen über alle Aspekte der Kunst des hohen Männergesangs, die sich längst vom reinen Barockrepertoire gelöst hat und zu einer eigenen Farbe in der Musiklandschaft wurde. Zwar entwickelte der legendäre Alfred Deller, der erste große Countertenor des zwanzigsten Jahrhunderts, seine Technik im Dienste der authentisch musizierten Barockmusik, und seine Nachfolger Gérard Lesne, Derek Lee Ragin (er lieh seine Stimme dem Kastraten Farinelli im Kinofilm von 1994), James Bowmann, Michael Chance und Philippe Jaroussky traten in seine Spuren, aber Künstler wie Andreas Scholl, David Daniels, Max Emanuel Cencic oder Michael Chance wagten sich auch in die Frühromantik vor. Wie die berühmten Kastraten besitzt jeder Counter seine ganz eigene Farbe, sein eigenes Timbre, und so rundet sich die Box ALTUS zu einer großen Dokumentation dieses faszinierenden Musikphänomens.
