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31. Juli 2009
Ach wie NICE!
Bei diesem Namen schlagen massiv Erinnerungen durch, an die späten 60er, frühen 70er Jahre. Gleich drei remasterte CDs (Autumn ’67 — Spring ’68 / Five Bridges / Elegy) und ein bislang unveröffentlichtes 2 CD-Album (Live At The Fillmore East, December 1969 ) von THE NICE lassen die alten Zeiten wieder aufleben.
Ach wie NICE! Bei diesem Namen schlagen massiv Erinnerungen durch, an die späten 60er, frühen 70er Jahre, an die dicken 2 Liter-Lambrusco-Flaschen, die im Raum kreisten und uns Trinkende irgendwann mitkreisen ließen, an den Qualm filterloser Zigaretten und anderer Rauchwaren, vor allem aber an die Entdeckung neuer musikalischer Welten. Floyd, Led Zep, Crimson, Tull, Deep Purple, Blind Faith, Ten Years After, Jimi — alles war neu, alles war spannend, alles war prägend. Und damals gab’s auch Mädels, die auf diese Musik standen
Eine der angesagtesten Bands jener Tage war THE NICE, erst Quartett, dann Trio mit dem ekstatisch spielenden Keyboarder Keith Emerson als Hauptakteur (später bei Emerson, Lake & Palmer). Er machte die Orgel endgültig hoffähig im Pop, nebenbei traktierte er sie mit Messern, sprang drauf herum, spielte sie von hinten, avancierte zu einer Art Hendrix der Tasten. Sein/Ihr progressiver Rock fiel vor allem auch durch die Verwendung klassischer Musikelemente aus dem Rahmen, da wurden Melodien und Stücke von Bach, Tschaikowsky, Sibelius oder Bernstein zerlegt und neu zusammen gesetzt, wobei auf dem Themenplan aber auch Dylan, Tim Hardin und natürlich eigene Sachen standen.
Nach der Pleite des Immediate-Labels, auf dem die Band zwischen Ende ’67 und Sommer ’69 die ersten 3 Alben veröffentlicht hatte, unterschrieb THE NICE bei Charisma (heute Virgin und damit EMI), wo im Mai 1970 das Album »Five Bridges« mit der gleichnamigen und live samt Orchester in der Londoner Fairfield Hall eingespielten »Suite« herauskam. Das UK-Top 10-Album, hierzulande immerhin auf Rang 25 platziert, enthält in der remasterten Neuauflage 3 Bonus Tracks, darunter die Zugabe des originalen Fairfield Hall-Konzertes sowie eine BBC-Aufnahme. Auch wenn sich das Trio wenig später trennte, erschien dann im Frühjahr 1971 noch ein mehr oder weniger offizielles 5. Album von THE NICE, »Elegy« betitelt und ebenfalls live aufgenommen. Die mit einem der legendären Hipgnosis-Cover ausgestattete Scheibe wartet jetzt als Remaster 2009 ebenfalls mit 2 BBC-Aufnahmen als Bonus Tracks auf. Die 11 Remaster-Nummern von »Autumn ’67 — Spring ’68“ schließlich gab’s größtenteils bereits als Bonusmaterial auf den ursprünglichen CD-Fassungen der beiden zuvor genannten Platten, erscheinen jetzt aber, analog zu den LP-Zeiten, als eigenständige Compilation. Tatsächlich handelt es sich dabei um von Charisma aufgekaufte alternative Versionen aus der Frühphase der Band, darunter auch der absolute NICE-Klassiker »America«.
Ein regelrechter Hammer ist das vierte Produkt dieses NICE-Paketes: Das 10 Stücke umfassende Konzert, das jetzt als »Live At The Fillmore East, December 1969“ nach sage und schreibe 40 Jahren auf 2CDs erst(!)-veröffentlicht wird, entdeckte man bei der aktuellen Bonus Tracks-Recherche. Aufgenommen während der 3. US-Tour demonstriert diese rund eineinhalbstündige Show eindrücklich die Energie und Qualität dieser eigentlich doch so kurzlebigen Formation. Und Tim Hardins »Hang On To A Dream« ist immer wieder gut.